Die faule Bande

27. Dezember 2007

Die Zeit der Völlerei war vorbei. In Jogginghosen saß die Belegschaft im Büro und hielt sich den Bauch. Auf die Frage, wie Weihnachten gewesen sei, kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort: “Gänsekeulen, Frikassee, Wiener, Ente, Sauerbraten, Perlhuhn und Süßigkeiten.” Verträumte Blicke gingen irgendwohin, nur nicht auf die Monitore. Stille herrschte, nur gelegentlich unterbrochen durch das Gepolter eines zusammenbrechenden Bürostuhls oder die Anrufe eines Kunden und seines Anwaltes. Das Gästebuch der Domain schnabbeldiwutz.biz ging nicht mehr und nun riefen beide im Abstand von dreißig Sekunden an, um mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zu drohen. Dieses Nichtstun ärgerte den Chef natürlich maßlos. Er startete einen Versuch, das faule Pack loszuwerden. “Hast Du dieses Jahr nicht noch zwei Tage Urlaub?”
Entrüstung auf der Gegenseite. “Ja, aber bis März! Willst Du mir die einzigen ruhigen Tage im Jahr versauen? Ich habe gerade Weihnachten mit meiner Familie hinter mir!”
Dem Chef wurde ein Technik-Katalog gereicht, seine Laune besserte sich etwas. Aber trotz all der Bilder von Stirnlampen, Lötzinn-Abrollern und Unterputz-Kleinverteilern war sein Groll nicht verflogen: “Was soll das? Wir alle haben Weihnachten mit der Familie hinter uns! Und erzählt mir nicht, daß Ihr Euch die ganze Zeit gestritten habt: Das ist völlig normal! Am ersten Tag werden all die aufgestauten Agressionen abgebaut, damit man am zweiten Tag entspannt zusammen feiern kann.” Weiter vor sich hin brabbelnd, verzog er sich mit dem Katalog in die Küche. Faule Bande. Er ließ sich einen Kaffee geben, zurück im Büro legte er die Beine auf den Tisch, bestellte eine Masseuse und gab Bescheid, keine Anrufe durchzustellen. Dieses stinkfaule Pack war wirklich zu nichts zu gebrauchen.

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