Der Kampf gegen die Netzsperren

18. August 2009

…könnte in etwa so verlaufen:

In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends begannen verschiedene Regierungen der Welt, Filtersysteme in Betrieb zu nehmen, um verbotene Inhalte unerreichbar zu machen. Diese Sperrungen geschahen nicht auf Seite der Anbieter der illegalen Inhalte, sondern auf Seiten der Nutzer. Als Argument wurde vorgebracht, daß Anbieter im Ausland für die eigene Justiz unerreichbar waren. Anfangs wurden noch Statistiken präsentiert, die die Wirkung der Filtersysteme demonstrieren sollten. Da die Sperren bei den Signalisierungsdaten ansetzten (beim DNS und bei NGN’s beim Call-Server) waren sie erst noch leicht zu umgehen, und wurden sogar noch belächelt. Zunehmend wurde das jedoch schwieriger und es wurde klar, daß sich so die Nutzdaten nicht nur unterdrücken, sondern auch umlenken und damit abhören, archivieren oder manipulieren ließen.
Die Wirksamkeit der Sperren an sich litt aber unter einer wesentlichen Eigenschaft des Internet: der Redundanz. Sobald im Netz etwas veröffentlicht wurde, gab es bald etliche Kopien an vielen Stellen. Daher schwollen die Filterlisten immer weiter an und das Netz wurde langsamer. Noch langsamer wurde es, als die Netzsperren auf immer mehr Straftatbestände ausgedehnt wurden und als verschiedene Staaten ihre Listen kombinierten. Die langen Listen erwiesen sich als nicht wartbar, eine regelmäßige Überprüfung zur Rechtmäßigkeit der Sperrung einer Website war in den gigantischen Datenbanken irgendwann nicht mehr möglich. Oft waren von einer einzelnen Sperrung auch tausende legitimer Websites betroffen. Anbieter solcher zu Unrecht gesperrten Inhalte hatten keine Chance, sich gegen Sperrungen in anderen Ländern zur Wehr zu setzen.
Nach und nach wurden weltweit immer mehr Proteste laut. In Debatten wurden teilweise extreme Positionen vertreten. Eine Meinung war, man müsse die Spuren von Straftaten im Netz als Teil der Vergangenheit akzeptieren, weil Sperrungen unverhältnismäßig viele Nebenwirkungen hatten und mittlerweile die Funktion des Internets an sich gefährdeten. Andere forderten die Speicherung aller Verbindungsdaten jedweder Kommunikation, weil technisch versierte Anwender längst Technologien geschaffen hatten, um Information bequem und dezentral im Netz verfügbar zu machen. Nutzer dieser dezentralen Technologien wurden lange in vielen Ländern verfolgt. Diese Verfolgung ebbte erst ab, als die Daten getarnt wurden, damit nicht zu erkennen waren und Knoten dieser dezentralen Netze wie Trojaner auf fremden Rechnern ohne Wissen der Besitzer installiert wurden.

Das Katze-und-Maus-Spiel ging noch eine Weile weiter.

Erst sehr viel später folgte eine weltweite Einigung auf lediglich ein Minimum zu ächtender Inhalte. Es wurden Standards geschaffen, um die Anbieter über solche Inhalte zu informieren und sie weltweit auf Anbieterseite zu sperren.
Auf die Inhalte der dezentralen Netzwerke hatte man aber auch damit noch keinen Einfluß.

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