Krawattengeschwafel

7. März 2008

Es passiert so oft. Ein Nerd hat eine Idee, baut eine richtig tolle Sache, die Leute finden die gut und schwupps ist sie populär. Dann kommen ein paar Krawatten und hängen sich da mit rein. Entweder wird die tolle Sache dann so aufgebläht, daß kein Mensch das komplizierte Ding mehr benutzen will, oder man wird so mit Werbung und Kommerz genervt, daß man das, worum es eigentlich geht, kaum noch wahrnimmt.
Ab und an rufen uns ein paar solcher Krawatten an, reden die ganze Zeit, aber man weiß am Ende nicht, was sie eigentlich von einem wollen. Auch konkretes Nachfragen hilft bei denen nicht, sondern bringt immer nur noch mehr Worthülsen zu Tage. Ganz schlimm wird es, wenn Sie einen ins Boot holen wollen, um irgendwo Fördermittel abzustauben. Fast immer werden Projekte da nur um Ihrer selbst willen konstruiert. Ohne Nutzen, zum Scheitern verurteilt, sobald der Fördermittelstrom abreißt. Damit habe ich persönlich ein Problem, diese Leute beklauen letztendlich mich als Steuerzahler. Im bytecamp haben wir uns dazu entschieden, keinerlei Förderprojekte mehr anzugehen, der Aufwand, Projekte zu entwickeln, passende Fördertöpfe zu finden, Fördergelder bewilligt zu bekommen, ist so hoch, daß das Geld, was bei Bewilligung fließen würde, diesen gerade mal abdeckt. Und der üblichen Weg, einen Fördertopf zu finden und passend dazu ein Projekt zu entwickeln, sorgt doch nur dazu, daß Leute Dinge machen, von denen sie nichts verstehen und in ihrem Entscheidungsfreiraum durch die Fördervorgaben so beschnitten werden, daß nichts Vernünftiges dabei herauskommen kann.
Zum Thema doofe Krawatten gibt es ein sehr unterhaltsames Sachbuch von Laurence J. Peter: “Das Peter-Prinzip”. Dessen Kernaussage lautet: “In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.” Und genau dieser Unfähigkeit begegnet man immer wieder, wenn eine Krawatte stundenlang palavert wie ein Versicherungsvertreter. In Rhetorik eine Eins, aber keine Ahnung vom Fach.

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