Sportsgeist
4. November 2009
Ab und an kriegt der Kollege neben mir, auch Geschäftsführer, einen Anruf von einer ganz bestimmten Firma. Beim ersten Anruf hatte er wohl gerade Langeweile und nahm sich richtig Zeit, dem Anrufer genau zu erläutern, warum wir seine Tonerkartuschen nicht brauchen. Und das wir es ganz sicher auch in Zukunft nicht wollen. Ausführlich.
Der Mann am anderen Ende aber ließ nicht locker, argumentierte, versuchte mit geschlossenen Fragen wieder die Gesprächsführung zu übernehmen, versprach das Blaue vom Himmel, gab sich enttäuscht ob unseres mangelnden Vertrauens. Genauso erwies sich aber auch mein Kollege als die Geduld in Person, das erste Gespräch dauerte etwa 45 Minuten.
Allerdings muß etwas passiert sein. Aus für uns völlig unerklärlichen Gründen werden wir alle paar Wochen wieder angerufen, und wieder beginnt dieses 45minütige Match. Dabei wissen beide Seiten ganz genau um die Sinnlosigkeit dieses Unterfanges. Seltsamerweise kanzelt mein Kollege diese hartnäckigen Anrufe auch nicht wie sonst kurz und knackig ab, sondern läßt sich immer wieder darauf ein, zerlegt die fehlerhafte Argumentation, enttarnt konstruierte Kausalketten, beschwert sich beim Gegenüber über emotionale Manipulationsversuche.
Richtiger Sportsgeist eben.
Und jedes Mal wird das ganze Büro sehr still und alle lächeln verträumt vor sich hin.

