Geiz gegen Gier
9. Juni 2008
Es war einmal ein Landmann, der betrieb einen kleinen Gasthof auf dem Land, für den er Kartoffeln benötigte. Das lieferte nur ein Bauer, ein gieriger Bauer, der dafür immer soviel nahm, wie er kriegen konnte. Eines Tages kam ein anderer, geiziger Gastwirt mit einer sehr großen Schenke zum kleinen Landmann auf den Hof und fragte ihn, ob er selbst nicht auch Kartoffeln anbauen und liefern könne. Der geizige Gastwirt bezog bisher seine Kartoffeln auch genau wie der Landmann ausschließlich vom gierigen Bauern. Der Landmann überlegte lange und kam auf die Idee, den Geiz des Einen gegen die Gier des Anderen auszuspielen, ohne jemandem zu schaden:
Er erzählte dem geizigen Wirt, daß er noch nicht jetzt, aber bald Kartoffeln liefern könne, weil er gehört habe, daß sich bald noch ein anderer Bauer ansiedeln werde, und bat den Wirt, darüber Stillschweigen zu bewahren. Das war nicht gelogen, aber er behielt für sich, daß die Kartoffeln des anderen Bauern nicht schmeckten.
Egal was der Wirt jetzt tun würde, war ein Vorteil für den Landmann: Durch seine Kontakte war der Wirt in der Lage, herauszufinden, welche andere Bauern in der Nähe noch Kartoffeln liefern konnten. Sollte es Einen geben, würde der Landmann sehr bald sehen, daß die Lieferungen des Wirts von einem anderen Bauern kamen. Sicher würde auch er auch seine Kartoffeln dort preiswerter beziehen können. Würde der geizige Wirt allerdings das Geheimnis nicht für sich behalten und dem gierigen Bauern von seinem zukünftigen Konkurrenten erzählen, um ihn unter Druck zu setzen, sähe sich dieser vielleicht genötigt, die Preise generell zu senken.
Und so kam es. Der Bauer erfuhr von seinem neuen Konkurrenten und war so verunsichert, daß er die Kartoffeln ab sofort billiger verkaufte.

