Webhosting-Inkasso

26. Juni 2008

Unter der üblichen Werbung im Briefkasten befand sich heute “ein auf Webhoster spezialisiertes Inkasso-Unternehmen”, welches auch Bonitätsprüfungen anbietet, “für Webhoster kostenlos”.
Mal ehrlich: Welche andere Branche hat so wenig Risiko zu tragen, was Zahlungsausfälle betrifft? Die monatlichen Beträge sind so gering… Und ein Druckmittel gibt es auch: Die Sperrung.
Okay, in den ersten Jahren hatten wir auch noch kein automatisches Mahn-, Sperr-, Kündigungs-, und Inkassosystem, so waren deutlich sechsstellige Außenstände aufgelaufen, für die wir auch noch Vorsteuer bezahlen mußten. All das Stück für Stück zu automatisieren war Einiges an Arbeit, mit gelegentlichen Rückschlägen. Da erinnere ich mich an den Versuch, bei zahlungsunwilligen Schuldnern selbst die Titel zu erwirken. Allein das zuständige Amtsgericht zu ermitteln, kostete Zeit und Nerven. Die in Amtsniederdeutsch verkauderwelschten Formulare taten dann den Rest. Daher übertrugen wir das unserem Hausanwalt, der allerdings nicht auf Inkasso spezialisiert ist. Die Erfolgsquote lag bei fünfzig Prozent, es kam am Ende von den Forderungen nichts bei uns an, die Anwaltskosten für die erfolglose Hälfte fraßen alles auf. Die einzelnen Forderungen waren einfach zu gering, in der Regel unter hundert Euro.
Mittlerweile halten wir es so: Zahlt ein Kunde nicht, oder wird eine Lastschrift zurückgebucht (kann ja mal passieren), gibt es eine Mahnung per Mail. Vierzehn Tage später wird gesperrt, sofern wir keinen Zahlungseingang verbuchen. In der Regel ist das der Moment, wo die meisten Schuldner zahlen. Einige hartnäckige Fälle bekommen dann eine weitere Mahnung per Post, die letzte Mahnung von uns. Wird sie ignoriert, beginnt ein Inkasso-Unternehmen seine Arbeit. Wird dann immer noch nicht nicht gezahlt, klickt unser Buchhalter hinter den offenen Rechnungen auf das Häkchen “Anwalt”. Der ist auf Inkasso spezialisiert, die fristlose Kündigung ist hier gleich mit inbegriffen, die Domain geht per TRANSIT an die Denic zurück, die dann auch noch versucht, Geld vom Holder zu kommen. Natürlich lassen wir immer mit uns reden, aber irgendwann ist Schluß.
Schlagen wir mal den Bogen zurück zum Anfang. Es ist nur ein böser Gedanke, doch was wäre, wenn der “kostenlose Bonitätscheck für Webhoster” nur eine Methode ist, um an Adressen von Kunden zu kommen? Klar werden die in Ihren AGB Vertraulichkeit der Daten zusichern, doch am Ende ist da doch niemand, der das kontrollieren könnte.
Nee, nee, nee. Unsere Kundendaten kriegt Ihr nicht.

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Ein Kommentar zu “Webhosting-Inkasso”

  1. 01

    Das hört sich schon sehr suspekt an.

    Jana am 21. Dezember 2008 um 20:30
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