Politik in der Werbung

2. Juli 2008

Dürfen Unternehmen politisch Stellung beziehen? Wenn ich mich in der Werbung umschaue, scheinen Unternehmen davon eher Abstand nehmen. Mit wenigen Ausnahmen in unserer Branche, die sich schon früher offen erst gegen die TKÜV, dann gegen die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen haben.
Wir gehören auch dazu. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr genau, wann das war, wir hatten eine wirklich riesige Kampagne mit vielen Millionen Kontakten im Monat: “Planen Sie Ihren nächsten Anschlag lieber verschlüsselt.” Die offensichtliche Satire – uns ging die penetrante Angstmacherei der Medien richtig auf die Nerven – erkannten aber viele nicht. Einige Aktivbürger beschwerten sich beim Deutschen Werberat, der uns um eine Stellungnahme bat, “weil die Werbung Angst auslöse”. Da die Kampagne zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelaufen war, kam es zu keinen Repressalien uns gegenüber. In unserer Antwort an den Werberat konnten wir uns aber nicht verkneifen, nachzufragen, ob die nächste Kampagne “Schönbohm will foltern! Schicken Sie Ihre E-Mails lieber verschlüsselt!” auch Anstoß finden würde. Nun ja.
Inzwischen hat sich der Ärger vieler Verbraucher über die Politik wieder so aufgestaut, daß ich mit dem Gedanken spiele, das zu nutzen. Für uns als kleines Unternehmen wäre es auch schwierig, wenn nicht unmöglich, über die entsprechenden Fachverbände indirekten Einfluß auf die Politik zu nehmen, ich sehe diese sowieso nur als Sprachrohre der Branchengrößen. Mit einer direkten politischen Botschaft in großen Werbekampagnen erregt man nicht nur mehr Aufmerksamkeit, sondern kann auch etwas bewegen:
Die öffentliche Meinung.

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