Jazz am Wochenende
1. September 2008
Man sagt, alle Tontechniker landen irgendwann bei der Klassik, beim Rock oder beim Jazz. Mischen ist eine Sucht, die irgendwann dazu führt, daß sich als passiver Zuschauer immer ärgert, daß man jetzt nicht am Mischpult stehen und korrigieren kann, was nicht gefällt. Stell Dir vor, Du besuchst ein Konzert und sobald Du etwas ändern willst, drehst Du einfach am Regler.
Auch wenn ich nicht mehr beruflich oder für Geld mische, juckt es von Zeit zu Zeit noch schlimm in den Fingern. So fragte ich einen Freund, der beim diesjährigen Brandenburger Jazzfest die Technik stellte, ob ich mir nicht eine Band zum Mischen aussuchen könne. Na klar. Meine Wahl fiel auf 105 Lenz Kubach Johnson (auf der Seite sind übrigens schöne Videos). Und habe es nicht bereut, auch wenn ich so richtig mies gelaunt nach der Arbeit, ohne gegessen zu haben, zutiefst genervt vom ezmlm-Problem, vorher noch eine weitere Band mischen mußte, wollte ich die Hoheit über die Kanäle am Mischpult nicht verlieren.
Man kann sagen, ich bin mit Pianisten nie zufrieden. In den letzten fünfzehn Jahren habe ich viele Hundert Bands gemischt und es ist dabei geblieben. Mein Idol Erroll Garner starb leider kurz nach meiner Geburt. Uli Lenz gefiel mir. Wie er spielte gefiel mir. Seine Stücke: Ich hätte tanzen mögen, da nickte nicht nur der Kopf. Vielleicht liegt es daran, daß Uli Lenz selbst komponiert, seine Spielweise zeugt von der Draufsicht des Komponisten auf das große Ganze, die Stücke sind herrlich unverkrampft und so arrangiert, daß jedes Instrument voll zur Geltung kommt und nicht nur als Beiwerk einzelne Soli zugestanden bekommt.
Die Band vorher, das Martin Kern Quartet wirkte für meinen Geschmack zu bemüht, zu dissonant und war schwer zu mischen, die gewünschte Lautstärke der Monitore war teilweise höher als die PA von der Front (Im Nachhinein behauptete ein Besucher, daß der Saxophonist nahezu taub sei). Es gibt Musik, die akustisch funktioniert und welche, die es nicht tut. Akustisch funktionieren bedeutet, daß alle Instrumente unverstärkt zusammen gespielt gut klingen. Sobald Musik nicht mehr akustisch funktioniert, liegt es in der Hand des Tontechnikers, was daraus wird. Und er muß vorher wissen, wie es klingen soll, ansonsten kommt das Fiasko. Aus meiner Sicht war der Sound für das Martin Kern Quartet ein Fiasko, denn ich hatte keine Ahnung, wohin die Reise gehen soll. Da reichen zwei Titel beim Soundcheck einfach nicht aus, während des Konzertes arbeitete ich daran, einen Weg zu finden. Und es ist wirklich stressig, während man den Unmut des Publikums ertragen muß, Instrumente zu separieren ohne zu wissen, in welche Oktave sie in den nächsten Sekunden wechseln werden. Separieren bedeutet den Klang der Instrumente zu beschneiden, damit man sie besser auseinanderhalten kann. Diese Band wäre mit einem festen Tontechniker besser dran.
Sobald sie die Bühne verließen und 105 Lenz Kubach Johnson anfingen zu spielen – ich schwöre, ich habe kaum einen Regler angefaßt – war der Streß vorbei. Da waren wieder Lücken für die einzelnen Instrumente, ich konnte die Separation zurück nehmen, alles klang wunderbar. Auch hatte der Bassist einen Verstärker dabei, der mit dem Kontrabaß akustisch nocheinmal interagiert und alles viel viel besser klingt. Das war Jazz, der Spaß macht!


Ein Kommentar zu “Jazz am Wochenende”
01
Hallo ,
danke fürs mischen !
http://ulilenz.blogspot.com/2008/09/brandenburger-jazzfest-anmerkungen.html