IT-Job=24/7-Job?

31. Oktober 2008

Früher waren wir jung. Nachts hatten wir nicht nur unsere Ruhe, oft war nur nachts ein freier Einwahl-Slot in den BBS zu kriegen, in den wir uns mit unserem Modem einwählten. Nachts waren alle Downloads schneller, später dann auch im Internet. Der typische Nerd ging nicht mit seinen Kumpels in die Disco, sondern setzte sich mit einem Kaffee an den Rechner. Man wurde nachts von niemandem abgelenkt und hatte keine Rituale wie z.B. ein gemeinsames Abendbrot zu befolgen. Viele Nerds, die Unternehmen gründeten, hatten kein Startkapital, sondern beuteten sich selbst aus. Wir sind da keine Ausnahme, ich erinnere mich an das Jahr 2000, von Mittags bis Morgens um Fünf habe ich programmiert, sieben Tage in der Woche, ohne Lohn und ohne Urlaub. Vielleicht ist es diese Erfahrung, vielleicht sind es die Spuren von einem Jahrzehnt Nachtarbeit in der Veranstaltungs-Branche, die mich so fuchsteufelswild werden lassen, wenn ich heute vernehme, daß eine gleichzeitige Mittagspause für alle Angestellten in der IT nicht angemessen sei. Vielleicht ist es auch, weil wir inzwischen älter geworden sind, viele von uns inzwischen eine Familie gegründet haben. Morgens müssen die Kinder in den Kindergarten gebracht, nach der Arbeit wieder abgeholt werden, brauchen feste Zeiten für Mahlzeiten und Schlaf. Trotzdem kommt gerade aus den eigenen Reihen immer wieder die Forderung nach 24/7-Erreichbarkeit, seltsam, dass wenn Vorgesetzte am lautesten danach schreien, selbst nicht rund um die Uhr erreichbar sein wollen, sondern diese Aufgabe meist an die delegieren, die am schutzlosesten sind: An die Jüngsten.
Im bytecamp haben wir von Anfang an Grenzen gezogen, wir haben für normale Webhosting-Kunden Support-Zeiten. Klar sind wir oft schon vorher da und bleiben länger, kritische Arbeiten wie Updates oder Hardware-Wechsel von vitalen Systemen finden natürlich auch nachts statt. Natürlich gab und gibts es da ab und an Kunden, die uns darauf ansprechen und das seltsam finden. Allerdings kommen nächtliche Support-Anfragen eher von Teenage-PHP-Programmierern oder vom Code-Sklaven kleiner Webdesign-Buden denn von Unternehmen mit einem AG oder GmbH am Ende. Mit den Jahren wurde die IT Teil der Old-Economy und in dieser gab es schon immer feste Arbeitszeiten nicht ohne Grund.
Wir älteren Nerds sollten von der nachfolgenden Generation etwas lernen: Die Arbeit ist nicht der Mittelpunkt des Lebens.

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