Die armen Kinder

12. Mai 2009

Da ist eine Dame vom Xyzblafasel-Verlag, die will einen Geschäftsführer sprechen.

Es folgt ein Blick vom anderen Ende des Großraumbüros, der in etwa sagt: “Willst Du Dir das wirklich antun?“.

Ja, gib mal rüber, ich habe gerade Bock auf solchen Kram.

Guten Tag mein Name ist F. vim Xyzblafasel-Verlag, spreche ich mit einem Geschäftsführer?

Ja, das tun sie.” Ich mache es mir bequem, nehme einen Schluck erstklassigen, gestern gerösteten Espresso (El Guabo aus Peru). Lecker. Die Frau wird leiden müssen, ich habe gerade Langeweile.

Wir arbeiten mit dem Jugendamt der Stadt Brandenburg zusammen und wollen Kindern kostenlos eine Broschüre zur Verfügung stellen. Dafür suchen wir noch Sponsoren.

Schon klar. Sie verkaufen Ihr Produkt an die Stadtverwaltung und wir sollen es bezahlen.

Nein, ich will Ihnen nichts verkaufen, es geht hier um Kinder! Wissen Sie, was für eine Broschüre das wird?

Ich platze vor Neugier.

Darin werden die Kinder darüber aufgeklärt, nicht mit Fremden mitzugehen. Und wir haben nichts mit der Stadtverwaltung zu tun, sondern arbeiten mit dem Jugendamt zusammen.

Ich verstehe schon, aber verstehen Sie mich auch. Von dieser Art von Anrufen haben wir hier mehrere in der Woche. Mal sind es Bälle für den Sportunterricht, bei Ihnen ist es eine Broschüre. Sie verkaufen Ihr Buch, Ihr Produkt an das J-u-g-e-n-d-amt,” – das Wort habe ich schön gedehnt – “wir sollen es bezahlen und die armen Kinder müssen dafür herhalten.

Herr Z., am Anfang fand ich Sie ja noch nett. Aber jetzt nicht mehr. Dabei war ich die ganze Zeit nett zu Ihnen. Wissen Sie, was ich Ihnen am liebsten sagen würde?

Sicher waren Sie nett. Sagen Sie es lieber nicht, dann bleibt es auch dabei.

Herr Z. Haben Sie selbst Kinder?

Nein Frau F. Lassen Sie es. Wir werden Ihre Broschüre nicht bezahlen.

Die Dame wurde jetzt richtig laut, schimpfte und legte auf. Alle Kollegen hatten ein breites Grinsen im Gesicht.

Jetzt kannst Du bald nicht mehr ruhig schlafen. Die armen Kinder.

Bei den Göttern. Die armen Kinder.

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