Archiv für Tontechnik

Tonstudio-Bau: Patchbays fertig gelötet

Brian vom Musicstore Brennabor beim Schrumpfschlauchen mit dem SMD-Heißluft-Lötkolben:DSC00170

Das sind fünf 48er Multicore-Peitschen, eine 32er und diverse 8er…
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Fast alle Patchbays sind komplett halbnormalisiert, den Belegungsplan hatte ich hier schonmal veröffentlicht.
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Das sind, ähm, 1,1 Kilometer dreiadriges Kabel.

Die Zukunft des Dance Floors

Daito Manabe macht einfach jede Menge interessanter Sachen. Dieses Video zeigt, wie wir uns in Zunkunft vergnügen werden. Eine Trennung zwischen Musiker und Tänzer besteht nicht mehr, der Tanz ist die Musik. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten könnte man den Tänzern erst einfache Kontroll-Möglichkeiten z.B. Filter oder Lautstärke geben, die Komposition den Computer erzeugen oder korrigieren lassen, so dass es immer gut klingt und Spaß macht. Mit zunehmender Erfahrung der Tänzer könnte man aber nach und nach die Kontrolle über immer mehr Parameter an die Tänzer geben (Tonart, Akkord, Note) so dass die Musik wieder lebendiger und emotionaler wird.
Ja doch, ich glaube so sieht die Zukunft aus:

Ich wäre gern dabei.

Ein Patchbay-Belegungs-Plan

Ein erster Entwurf für die Belegung der Tiny-Telephone-Patchbays mit je 96 Steckpunkten steht. Die zwei oberen Patchbays sind halbnormalisiert (d.h. steckt kein Stecker, ist die obere Leiste mit der unteren verbunden), die untere kann ich einzeln nach Wunsch normalisieren. Mit dieser Konfiguration könnte ich ohne einen Kabel zu brauchen, sechzehn Kanäle analog oder digital aufnehmen. Werden mehr Kanäle gebraucht, wird die gewünschte Verbindung mit einem Patchkabel hergestellt.patchbays
(PT steht für Protools)
Das Löten wird ein Vollzeit-Job für oder zwei Monate.
Ich bitte um Kommentare, gibt es vielleicht eine elegantere Lösung?

Tonstudio-Bau: Der Name steht fest, das Bergfest bevor.

Vor kurzem habe ich eine Domain registriert: zeitreise-tonstudio.de .
Ja, endlich steht der Name fest, einer, der auch die Ausrichtung des Studios auf Tontechnik der 60er bis 80er Jahre deutlich macht. Inzwischen ist wieder viel geschehen, hier ein Bild von der halbfertigen Regie. Die angeschrägte Decke ist ein einziger Schlitzplattenschwinger, das weiße Rechteck über dem Pult ein fetter Absorber. Hier und da fehlen noch eine Zierleiste, zwei Absorber an den Punkt der ersten Reflektion und sechs grosse Diffusoren an den Seitenwänden und der Rückwand. Und ja, ich poste ein Wasserfall-Diagramm, wenn ich gemessen habe.

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Demnächst beginnen die langwierigen Löt-Arbeiten an den analogen TT-Patchbays, mit denen später in Sekunden von Pult, Protools-Rig, Bandmaschine und Peripherie jeder Eingang mit jedem Ausgang verbunden werden kann. Das werden tausende Lötstellen.

Gestern habe ich mich für das Logo von über tausend Schriftarten aus den 70ern, sowie SciFi-Schriftarten durchgeackert. Das war furchtbar, denn die Schriften aus dieser Zeit waren noch, äh, etwas ungehobelt…

Tonstudio: Zwischenstand Regie

Trockenbau ist fertig, es ist verputzt, tapeziert, gemalert, Laminat verlegt und die Zimmerei für Absorber und Zwischendecke fertig. Vor die Sonorock Rockwool kommt natürlich überall noch Folie, die riesigen Superchunks links und rechts werden mit Molton verkleidet, über die Tür kommen Holzbretter unterschiedlicher Breite als Schlitzplattenschwinger, an die schräge Decke über dem Pult auch nur Rockwool und Molton, dann weiter hinten wieder Schlitzplattenschwinger. Es war eine Heidenarbeit, alle Winkel mit dem Laser so auszurichten, dass der Schall über die Köpfe an den Abhörplätzen hinweg im Diffusor landen wird…
Ich stehe übrigens vor der Tür zum Maschinenraum, die durch eine grooooße Glasscheibe den Blick auf meine wunderschöne Bandmaschine freigeben wird. Davor werde ich später an der Trident-Konsole sitzen und verträumt auf die drehenden Spulen schauen;-)
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Bald wird erstmal gemessen und danach entscheide ich, wie es mit der Akustik weitergeht.

Achja, dieses Bild enthält auch die Auflösung des Bilderrätsels! Na?

Bilderrätsel: Tonstudiobau in welcher Phase?

Ein Selbstportrait.
Erstens: In welcher Bauphase befinde ich mich?
Zweitens: Finde den Fehler im Bild!

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Ich lasse Ladengeschäfte pleite gehen

Bislang habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass mein Leben gerade eine Huntertachtzig-Grad-Kurve macht. Als jemand, der sein *ganzes* Geld gerade in ein Tonstudio mit alter, analoger Bandmschine und ein analogem Mischpult investiert, aber das Geld dafür als Webhoster verdient. Mein Beruf läßt Ladengeschäfte pleite gehen, weil sie mit Online-Shops nicht mehr mithalten können.
Und gleichzeitig will ich zurück in eine seit zwanzig Jahren vergangene Ära. Ich will eine Art von Kunst wiederbeleben, die sehr wenige als Kunst betrachten, auf eine Art, die als völlig überholt gilt.
Nur eine Form von Industrie-Archäologie?
Es ist nicht so, dass ich jetzt als System-Administrator ein schlechtes Gewissen hätte. IT ist eine disruptive Technologie, ich bin doch kein Kutscher, der sich über Autos aufregt.
Aber beim DDD-Sound glaube ich uns einfach auf einem Irrweg. Die blöde Digitalisierung hat analoge Techniken entwertet, die Plugins klingen nicht nur anders als die alten Kisten zum Anfassen, sondern der digitale Workflow – Overdubbing only – an sich ist das Problem.
Er ernüchtert das Ergebnis derart, dass gerade junge Ersthörer nicht mehr das Gefühl haben: “Das kann ich auch!”, sondern im Gegenteil, er erzeugt Ergebnisse, die konstruiert und unerreichbar klingen. So, als ob ich als Klassik-Liebhaber zu endlosen Bach-Konzerten verdonnert würde, aber Debussy liebe. Für mich war es immer ein Genuß, einer Band beim Proben zuzuhören, auch wenn es so laut war, dass ich mir die Ohren zuhalten musste. Die aufeinander abgestimmte Darbietung einer Band, ein Drummer, und ein Bassist, die sich aufeinander eingrooven, andere Musiker, die Sichtkontakt haltend, rhythmisch wild ausbrechen und zurückkehren. Das ist menschliche Dynamik, die kleinen Abweichungen, die keine Fehler, sondern die Nachricht sind.

Warum Distortion?

(Fortsetzung von “Warum ich so auf alte Tontechnik abfahre“)

Wenn man ein Signal unverzerrt aufnimmt und dann komprimiert, verschwindet mit der Dynamik auch die Lebendigkeit. Mir persönlich gefällt es besser, wenn ein Preamp andickt oder anzerrt, wenn lauter gesungen wird, so geht keine Information verloren, sondern die Dynamik wird quasi in fetteren Sound oder Distortion “Übersetzt”.
Das kann ganz subtil geschehen wie z.B. bei Lana Del Rey, wo die Röhre noch nicht zerrt, aber immer weiter andickt, je lauter die Stimme wird (ab und an zerrt sie auch). Da das für den heutigen Geschmack zu “alt” klingen würde, hat man noch einen Exiter draufgepackt. Schick.

Warum ich so auf alte Tontechnik abfahre

In letzter Zeit muß ich regelmäßig erklären, warum ich so auf alte Tontechnik abfahre. Daher habe ich hier mal einen Text vorbereitet.

Früher waren Tontechniker fast immer auch Elektroniker: Tontechnik kostete Unsummen und Tonstudios Millionen. Daher stellten sie viele Geräte selbst her, bauten andere nach oder um, damit sie den eigenen Klang-Vorstellungen entsprachen. Selbst hochwertigste Technik dieser Ära klang nicht neutral, im Gegenteil, den Unterschied hören heute Laien selbst auf Handy-Lautsprechern. Mit voller Absicht wurden technische Mängel zur Klang-Gestaltung benutzt, Lautsprecher, Röhren, Magnetbänder und Transformatoren übersteuert, Mikrofone zweckentfremdet, Bässe mit der Eingangs-Impedanz anstelle von Equalizern geregelt.
Einige der Aufnahmen, die bis heute als die “best klingensten aller Zeiten” gelten, entstanden in dieser Zeit.

Später begann das digitale Zeitalter mit einem großen Irrtum.
Ingenieure, die Tontechnik bauten, hatten oft noch nie ein Studio von innen gesehen, interessierten sich nur für Algorithmen und Messwerte. Ihre Technik-Generation klang perfekt neutral, aber immer gleich.
Gleichzeitig sorgten die schlechten Digital-Wandler in der Anfangszeit für einen Krieg zwischen Anhängern der analogen und digitalen Formate.

Der klangliche Gestaltungsfreiraum der 60er bis 80er Jahre verschwand fast mit ihnen. Dass viele digitale Aufnahmen selbst heute noch steril und langweilig klingen, liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass Studios mit alter Technik sehr selten und teuer geworden sind, eher daran, dass die alten analogen Tricks und Kniffe schnell als unmodern empfunden wurden und teilweise bis heute sogar noch werden.
Das hat sicher nicht nur viele Tontechniker bis heute eingeschüchtert, sondern vielleicht auch dafür gesorgt, dass selbst moderne analoge Tontechnik zahm und unspektakular klingt.

In den letzten zwanzig Jahren wurden zudem viele legendäre Geräte als Plugins digital nachempfunden – nach meinem Empfinden klingen auch sie aber immer noch viel zu zaghaft, zu subtil. Im direkten Vergleich entscheide ich mich zumeist für die drastischen Originale oder eigene Um- und Nachbauten.
Klar, auch ich benutze Plugins, aber mit einigen demonstriere ich nur noch ihre Beschränkungen im Vergleich zum Original.

So läuft eine Party bei einer Rockerbande ab.

Ein Kumpel hat neulich bei einer Party von einem, sagen wir mal, allseits bekannten “Motorrad-Club” die Technik betreut. Die Veranstalter hatten sich mit der Polizei arrangiert, es gab keine Kontrollen, die Polizei patroullierte ein, zwei Mal vorbei.
Er spielte erst als Hintergrundmusik ein bischen Rock und Metal, was er sich eben so als passend für das Publikum vorstellte. Bis ihm jemand einen Player in die Hand drückte:
Schluß jetzt mit der Scheiße, spiel doch mal normale Mukke!
Danach lief Elektro.
Getrunken wurde alkoholfreies Bier, wegen der Motorräder.
Eine Rockabilly-Band spielte das erste “Set” (vier Titel), danach kam für eine halbe Stunde eine Stripperin, alle saßen gelangweilt herum, danach kam das zweite Rockabilly-Set. Niemand klatschte.
Und um -11- fuhren alle nach Hause.