Archiv für 12. April 2011

Männer mit glattrasiertem Arsch

Hier ein paar Zeilen zum Zeit-Artikel “Der entmannte Mann und was davon im 21. jahrhundert noch übrig ist“.

Den “neuen”, eher androgynen Typ, mag der Author offensichtlich nicht so. Wer David Bowie oder Boy George kennt, sieht da eigentlich nichts Neues, allerdings hat sich die Bedeutung um 180° gewandelt. Neu ist vielleicht die Häufigkeit, mit der dieses Exemplar in den Medien und in freier Wildbahn zu finden ist. Wen wundert es auch? Um die Brusthaare zu entfernen braucht er entweder Rasierer oder Enthaarungscreme, er braucht Makeup, Bräunungscreme usw. Da kann man viel Geld verdienen, also generiert man sich diese neue Zielgruppe einfach über die Werbung. Zu jeder Zeit wurden in der Werbung Männer mit dem Versprechen geködert, ihren sozialen Status mit Produkt X aufzuwerten. Der ganz normale Werbespot eines Konzerns ist inzwischen viel mehr als Werbung für ein Produkt. Jeder Konzert verkauft meist eine ganze Palette verschiedener Marken. So kommt es, dass Mann einem lasziv hüftschwingendem Weibchen in einem Werbespot auf die Titten glotzt, dass eigentlich einen BH präsentieren soll, aber anschließend im Bad ihrem Lover einen Klaps auf den glattrasierten Hintern gibt. Wofür war dieser Spot gleich nochmal? Für den Mann: “Rasier Dir den Arsch, dann kriegst Du so eine Frau.” Für die Frau: “Guck Dir an, wie der Kerl neben Dir auf diese Titten starrt. Du brauchst auch diesen BH.” Zielgruppe sind dabei ganz klar Mann und Frau gleichermaßen.
Diese Entwicklung ist eigentlich nicht überraschend. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Frauen einen glattrasierten Mann ästhetischer finden. Die bringen ihm nach 20 Wiederholungen dieses Werbespots vielleicht sogar die Enthaarungscreme mit. Aber sicher teilen nicht alle diesen Geschmack. Neu ist, dass viele Männer dem Diktat der Kosmetikindustrie nicht länger widerstehen und einem künstlich generiertem Schönheitsideal nacheifern.

Leute, seht her, wie ich meinen Konsum demonstrieren kann.

Eindrücke von der Musikmesse

Vor einigen Tagen war ich mit ein paar Kumpeln auf der Musikmesse. Mal wieder. Untergebracht waren wir bei einer Privatzimmervermietung. Die Vermieterin, alleinstehend und um die Siebzig, fragte uns, ob wir denn nur Instrumente verkaufen oder auch selbst Musik machen. Mein Kumpel meinte dazu, dass er in einer Punk-Band spiele, “Blutiger Osten”. Sie schien das nicht so recht zu glauben: “Naja, Sie können mir ja viel erzählen, nachher stimmt das alles gar nicht.”
Er konnte das aber natürlich beweisen und meinte, sie könne das gern mit Google überprüfen, wenn sie nach Blutiger Osten suche, würde sie bestimmt auch gleich unter den ersten Treffern ein Bandfoto finden, auf dem auch er mit abgebildet sei.
Am nächsten Morgen kam sie ins Zimmer, sie habe sich ein Album angehört und nannte uns auch noch ihr Lieblingslied. Da saß die alte Dame also am Abend bei Zigaretten und einer Flasche Wein am Computer und hörte knüppelharten Punk.

Früher gab es auf der Musikmesse noch mehrere Hallen voller Allein-Unterhalter-Orgeln, die teilweise aussahen wie die Steuerungen von Raumschiffen. Davon gab es nur noch eine Halle, in der auch die echten Orgeln standen. Sie war ziemlich verwaist und die Besucher waren fast alle weisshaarige Opis. Da ist wohl eine Industrie am Aussterben. Als Musiker braucht man heute eben nur noch eine Klaviatur, vielleicht etwas zum Schrauben, die Klangerzeugung übernimmt die Software.
Mich haben die neuen digitalen Live-Pulte überzeugt, vor allem die Allen&Heath iLive-Serie, vor allem die Bedienoberfläsche T112. Damit sind die Digitalpulte nach zwei Jahrzehnten endlich erwachsen geworden und nach meiner Meinung sogar besser zu bedienen als die alten analogen meterbreiten Boliden. Und es gibt keine schweren, dicken Stagekabel mehr, die Wandler stehen auf der Bühne, zum Pult führt nur noch ein dünnes CAT-5-Kabel. Total Recall für alles, auch für Preamp-Gain.

Warum Twitter böse ist

Twitter verkauft den Zugriff auf seine Datenbank. Und daraus kann man weitaus mehr Informationen über die Benutzer ableiten, als mancher denkt. Ich habe noch nie verstanden, warum Leute wie die Schafe diesen zentralen Twitter-Quatsch mitmachen.