Hier ein paar Zeilen zum Zeit-Artikel “Der entmannte Mann und was davon im 21. jahrhundert noch übrig ist“.
Den “neuen”, eher androgynen Typ, mag der Author offensichtlich nicht so. Wer David Bowie oder Boy George kennt, sieht da eigentlich nichts Neues, allerdings hat sich die Bedeutung um 180° gewandelt. Neu ist vielleicht die Häufigkeit, mit der dieses Exemplar in den Medien und in freier Wildbahn zu finden ist. Wen wundert es auch? Um die Brusthaare zu entfernen braucht er entweder Rasierer oder Enthaarungscreme, er braucht Makeup, Bräunungscreme usw. Da kann man viel Geld verdienen, also generiert man sich diese neue Zielgruppe einfach über die Werbung. Zu jeder Zeit wurden in der Werbung Männer mit dem Versprechen geködert, ihren sozialen Status mit Produkt X aufzuwerten. Der ganz normale Werbespot eines Konzerns ist inzwischen viel mehr als Werbung für ein Produkt. Jeder Konzert verkauft meist eine ganze Palette verschiedener Marken. So kommt es, dass Mann einem lasziv hüftschwingendem Weibchen in einem Werbespot auf die Titten glotzt, dass eigentlich einen BH präsentieren soll, aber anschließend im Bad ihrem Lover einen Klaps auf den glattrasierten Hintern gibt. Wofür war dieser Spot gleich nochmal? Für den Mann: “Rasier Dir den Arsch, dann kriegst Du so eine Frau.” Für die Frau: “Guck Dir an, wie der Kerl neben Dir auf diese Titten starrt. Du brauchst auch diesen BH.” Zielgruppe sind dabei ganz klar Mann und Frau gleichermaßen.
Diese Entwicklung ist eigentlich nicht überraschend. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Frauen einen glattrasierten Mann ästhetischer finden. Die bringen ihm nach 20 Wiederholungen dieses Werbespots vielleicht sogar die Enthaarungscreme mit. Aber sicher teilen nicht alle diesen Geschmack. Neu ist, dass viele Männer dem Diktat der Kosmetikindustrie nicht länger widerstehen und einem künstlich generiertem Schönheitsideal nacheifern.
Leute, seht her, wie ich meinen Konsum demonstrieren kann.